Konzept

Re:Touch. Expanded Surfaces in Smartphone Photography

Anlässlich des EMOP Berlin - European Month of Photography 2023 haben wir Fotograf*innen jeglicher Erfahrung dazu eingeladen, Bilder einzureichen, die expanded surfaces digitaler fotografischer Bilder erkunden. Obwohl digitale Bilder auf Bildschirmen und Smartphones eine bedeutende Rolle in unserem alltäglichen sozialen Leben, in den Medien und in Netzwerken spielen, werden sie als fotografische Praktiken mit einem Potenzial für kritische Handlungsfähigkeit und Ästhetik oft noch unterschätzt. 

Diese offene Ausschreibung zielte darauf ab, eine kritische Auseinandersetzung mit digitalen Bildern zu ermöglichen, um das Potenzial eines Re:Touch zu entfalten.

Digitale Bilder können sowohl eine Brücke als auch eine Barriere für Vernetzung sein. Indem ein einzelner visueller Moment mit einer Smartphone-Kamera eingefangen wird, kann die Komplexität der analogen Welt verloren gehen, während die Realität selbst als verpixelte Landschaft neu konfiguriert wird. Darstellungen werden durch binäre Codes wiedergegeben oder von nicht-menschlichen Akteuren generiert und reproduzieren oft etablierte visuelle Codes und politische Machtstrukturen, die Vorurteile über Race, Klasse und Gender widerspiegeln. Gleichzeitig sind die Nutzer*innen mehr denn je kritisch in die Produktion und Darstellung dieser Bilder verstrickt, da sie in den kontinuierlichen Fluss von u. A. Social Media Feeds, Mapping-Simulationen und Spielen eingebunden sind. Wir wollen hinterfragen, inwieweit Smartphones den Nutzer*innen die Interfaces und Werkzeuge an die Hand geben, um Momente festzuhalten, und gleichzeitig die vorherrschenden Repräsentationsformen zu kritisieren und von ihnen abzuweichen, indem sie durch die Performativität der expanded surfaces eine störende Kraft entfalten:

  • Wie kann die digitale Fotografie neue Visualisierungen schaffen, um die Beziehungen zu uns selbst, zueinander und zur Welt innerhalb und außerhalb der Bildschirme wiederherzustellen?
  • Welche Beziehungen und Resilienzen können aus der Erfassung von Phänomenen jenseits der etablierten visuellen Codes der sozialen Medien entstehen?
  • Welche Strategien betonen dekoloniale und/oder queere Identitätskonstruktionen als sozial engagierte Praktiken?
  • Wie reflektieren diese Beziehungen kritisch politische Aspekte ihrer eigenen und stets zirkulierenden Inter-Konnektiviät?
  • Welche Screenshots dokumentieren effektiv eine Kritik der digitalen Bildbearbeitung?
  • Wie begegnen wir nicht-menschlichen Fotografien in einer virtuellen Umgebung?
  • Welche Rolle spielen digitale Fehler und Glitches im Zusammenhang mit digitalen Infrastrukturen von Machtverhältnissen?

Wie haben Fotografien gesucht, die das Smartphone als Ausgangspunkt für einen Re:Touch und die haptische Politik von Bildoberflächen nutzen. Die Arbeit konnte aus Selfies, Schnappschüssen, Screenshots oder Photogrammetrien bestehen, war aber nicht darauf beschränkt. Die eingereichten Ansätze verhandelten persönliche Themen, kritische Interventionen oder eine experimentelle digitale fotografische Praxis, um neue und alte Grenzen der Konnektivität zu überwinden.